GEFAHR IM WALD und Klimakrise

Gefahr im Wald 01

GEFAHR IM WALD und Klimakrise: „Aktualisierung“ des Pawentiga-Projektes 2019

Gefahr im Wald“ – unter dieser Überschrift verfasste Thomas Fischermann in der „ZEIT“ in der ersten Ausgabe 2019 einen Lagebericht zur politischen und gesellschaftlichen Situation Brasiliens, nachdem der Ex Armeehauptmann der Reserve, der 61jährige Jair Bolsonaro die Wahl zum Präsidenten gewonnen hatte.

Die Gefahr im Wald erwächst den Indios von Außen; denn Bolsonaro hatte schon während seiner Wahlkampagnen unmissverständlich verkündet, dass in seinen Augen die Reservate des Amazonas dem Fortschritt eher ein Hindernis bereiteten, als dass man sie im Sinne der Ureinwohner fördern müsse. Unter dem Beifall der Agrar-Lobby erklärte er noch vor der Wahl, dass er als Präsident „keinen Zentimeter“ zusätzliches Land mehr für Indianergebiete zulassen wolle. Seine angriffslustigen Thesen zum Indioland und den noch freien Amazonasgebieten wirken unter Holzfällern und Goldsuchern fast wie ein Befehl, diese Gebiete nicht abzuschreiben. Wachpatrouillen der Tenharim, auch der Suruí, sind im Wald bereits wieder auf Holzfällergruppen gestoßen, immer mit Pistolen bewaffnet. Der Häuptling Kiki Tenharim: „Es ist gefährlich für uns geworden, in unserem eigenen Wald unterwegs zu sein“.

Gefahr im Wald 02

Womit der brasilianische Präsident wohl eher nicht rechnen konnte: der Eskalation, mit der die Klimakrise durch den weltweiten Protest der jungen Generation -und zwar erfolgreich- gegen das Wachstumscredo fortschreitet; auch wenn Bolsonaro sich noch gegen eine Erkenntnis sträubt, so macht der Klimawandel in jedem Fall schon einmal deutlich, dass zu dieser historischen Stunde den Indios eine herausragende Stellung zukommt – und zwar nicht im Sinne der weiteren Zerstörung ihrer Reservate, sondern im Sinn eines Geschäftes unter ihrer, der Indios vorrangigen Beteiligung, das man aktuell „Welt-Emissionshandel“ nennt.

Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich das gegenwärtige Leben und das zukünftige Schicksal der Indios Brasiliens, auch auf dem Pawentiga, dem „Ort des Kontaktes“ im Reservat der Suruí in Rondônia.

Diese Entwicklungen haben wir im Detail nicht im Auge haben können, als wir uns 1997 mit dem Chief der SuruíClan Makôr, Anine Suruí, einigten, im Reservat gemeinsam das „Maloca-Projekt“ auf dem „Ort des Kontaktes“ dem Pawentiga (indianisch) zu initiieren, und dafür in Deutschland einen gemeinnützigen Verein zu gründen. Heute sehen wir, dass der Pawentiga (oder das Pawentiga-Projekt) zu einem Platz der Hoffnung, das Pawentiga-Projekt zu einer „Baustelle der Hoffnung“ geworden ist inmitten des Geschehens das, wie hier geschildert, im Gange ist. Das Maloca-Projekt auf dem Pawentiga tritt im Weltemissionshandel in eine neue entscheidende Phase ein und beweist mit seiner Zähigkeit seine Realitätsnähe von Beginn bis heute, im Jahr 2019.

Gefahr im Wald 03

Im Grunde verkörpern die indigenen Völker einen „Zustand, den wir, in welcher Gestalt immer, suchen, oder zu dem zurück zu gelangen wir anstreben – das verlorene oder preisgegebene Gleichgewicht, im Einklang mit der Natur zu leben. Haben wir keinen Atem, können wir auch nicht wirtschaften. Dieses Konzept überzeugt heute Top-Manager des Emissions-Managements.

Die Paiter Suruí sind Wächter – nicht Schuldner des Planeten, wie die Wohlstandstaaten, die aufgrund ihrer historischen Nachlässigkeit „aufforsten“, kompensieren müssen. Die Verwobenheit der Surui-Kultur mit einer unzähmbaren Wildnis, ihr Friedensvertrag mit einer dem wissenschaftlichen Menschen feindlich gegenüberstehenden Natur ist eine unfassbare wie einmalige historische Kulturleistung.
In den Malocas der Indios hat dieser “Friede” Jahrtausende seinen Ausdruck gehabt. Diese Funktion einer Naturbewahrung in den heutigen verwirrenden Zeiten erneut zum Ausdruck zu bringen, und damit die Zerstörung des Regenwaldes und den Verfall der indigenen Kultur aufzuhalten, war und ist der Sinn des Sinnan-Maloca-Projektes bis in die aktuelle historische Stunde. Der Pawentiga wird damit zu einem Ort auch im Sinne unseres eigenen Überlebens.

Gefahr im Wald 04

Wir fassen zusammen:

1. Wir schulden den geschädigten „Naturvölkern“ Projekte! Durch das bisher Geschehene sind wir mitverantwortlich, ihre Kulturen zu erhalten oder zu restaurieren.

2. Mehr noch haben wir sie moralisch anzuerkennen für das, was sie für uns alle durch ihre Lebensart geleistet haben. Wir haben Kompensation an sie zu leisten, indem wir sie über den Emissionshandel einbeziehen als vorrangige Partner im globalem „Geschäft zur Bewahrung des Planeten“. Sie sind in diesem Vertrag die „first people“, unsere allerwichtigste, unsere „wertvollste Essenz“ (Sydney Possuelo).

In diesem Geist setzt SINNAN seine Anstrengungen auf dem Pawentiga, an der Seite der Suruí fort, solange wir dort erwünscht und um unseren Rat gefragt sind.

Wir erinnern uns damit auch an den Beginn des Sinnan-Projekte 1997, unseres damaligen Aufrufes zum Bau der Malocas:„Atem den Wäldern und ihren Völkern!“ – wobei wir dies heute, 2019, im Zeichen der Klimakrise sinnvoll und gerne abwandeln, als ein Wort aus Amazonien zu uns kommend:

Atem den Wäldern und allen Völkern!“

Gefahr im Wald 05

Der nächste Schritt des Projektes heißt: „Rio Acima“, 15. – 29. SEPT 2019

-Eine kleine Expeditions-Gruppe fast 10 Tage bei den Suruí, mit einer Folgekonferenz in der Bucht von Paraty-

Sie können an diesem Projekt in Brasilien mitwirken. Wir werden an dieser Stelle schon bald eine aktuelle Auflistung veröffentlichen über all das, was geschieht, was in Planung ist, was Hoffnung verbreitet – und wie wir mit den Gefahren klarkommen. Sollten Sie Interesse an diesem interessanten und erfolgreichen Projekt haben – oder einfach Fragen – , dann senden Sie uns gerne eine Mail. Wir freuen uns darüber, und Sie erhalten garantiert schnell eine Antwort.