Ziele des Projekts Pawentiga

Pawentiga 04

Allgemeine Zielsetzung

Stärkung der kulturellen Identifikation des Volks der Suruí von Rondônia.

Projekttitel: Kulturelle Stärkung

Verantwortlich: Aníne Suruí mit Unterstützung der „PACA“ (Umwelt- und Pro-Indio-Organisation in Cacoal)

Adresse: Linha 06, Lote 09, km 01, Cacoal, Roraima

Ausführungsort des Projekts: Linha 12, Dorf Nambekodabadaquiba, Indigenes Land „7ter September“

Unterstützte Ethnie: Suruí von Rondônia (Paiter)

1. Detaillierte Ziele

Erbauung von Versammlungszentren in der Gestalt von Malocas als Hauptsitz für:

1.1. die  Weitergabe der Mythen der Volksgruppe an Kinder und Erwachsene; eine Praxis,  die bei den Suruí schon in Vergessenheit geraten ist.

1.2. Schulungszentrum für Herstellungspraktiken der Volkskunst für kulturelle Gegenstände, die schon nicht mehr angefertigt werden.

1.3. Anregung zur Konstruktion von Wohnstätten auf Grundlage der traditionellen Architektur.

1.4. Ermöglichung der Wechselwirkung zwischen der formalen Indianerschule  und den traditionellen kulturellen Kenntnissen (Kombinierter Unterricht für „Indianische Identität“ und normaler brasilianischer Schulbildung).

In der Maloca manifestiert sich somit eine aus unserer Perspektive kulturell-pädagogische Bewegung, aus der Erlebnisweise der Suruí eine Verbindung zu ihrer lebendigen Vergangenheit durch einen „Wald-Campus“ für ihre Kinder und Jugendlichen.

2. Begründung für den Bau der Malocas

Nach dem Kontakt mit einer nicht indigenen Gesellschaft erlitt die Gesellschaft der Suruí von Rondonia eine starke kulturelle Entfremdung aufgrund des gewaltigen Drucks der weißen Siedlerwellen.Mit geschwächten traditionellen Werten und von zweifelhaften Vertretern der kapitalistischen Gesellschaft beraten, gingen schließlich wichtige Elemente ihrer Kultur verloren. Gegenwärtig kämpfen sie um das Überleben und suchen nach einer ausgeglichenen Lebensform, die ein Zusammenleben von Traditionellem und Neuem ermöglicht. Mit dem Bau der Maloca will Aníne Surui, geistiger Führer dieser Ethnie, den ersten Schritt für Bedingungen schaffen, sich einer dominanten Gesellschaft als ein Volk zu stellen, das sich seiner eigenen Identität und seines kulturellen Unterschiede bewußt ist.

3. Methode der „Malocas“

Das Versammlungszentrum wird an der Linha 12, Dorf Namgerodabada guiaba gebaut, einem historischen Ort der Suruí, weil dort vor dem Kontakt die gesamte ethnische Gruppe lebte, die heute über 10 verschiedene Dörfer verstreut sind. In der Maloca werden die Bildungsaktivitäten entwickelt, die hauptsächlich das Überleben der kulturellen Identität der Gruppe zum Ziel haben. Eine solche Bewußtwerdung ihrer selbst, ihrer Vergangenheit, kann heute ohne die symbolische Anschauung und Erfahrung nicht mehr erreicht werden. Der Wunsch des Häuptlings Aníne, seine Schüler nicht in den „Asbesthütten“, sondern eben in der Maloca unterrichten zu lassen, ist deshalb zutiefst realistisch.

Dieses Zentrum wird nach der traditionellen Architektur der Suruí gebaut. Einige Anpassungen an „moderne Bauweise“sind in den aktuellen Bedürfnissen der Gruppe begründet, die dauerhaftere Wohnstätten mit besseren hygienischen Bedingungen benötigen. Ein solches Modell wurde bereits in Cacoal mit dem Trainingszentrum der „PACA“ erprobt.

Kommentar der brasilianischen Regierung nach dem Bau der ersten Maloca 2001

“Ich bin froh, dass das hier wirklich geschehen ist. Dieser Ort wird eine weithin positive Ausstrahlung haben. Noch nehmen nicht alle das für ernst, was Aníne Surui hier plant und aufbaut für die Zukunft. Darum fehlen heute auch einige, die eigentlich da sein sollten. Ich bin mir aber sicher, dass Aníne mit diesem Zeichen seiner traditionellen Schule, der Maloca für die Jugend, mit der Zeit viele wieder zusammenführen und seinen Stamm einen wird.“ (Laerte Mendes Ferraz, Leiter der FUNAI, staatliche Indianerbehörde Brasiliens)

Kommentar der Pro-Indio-Organisation „PACA“ zum selben Anlass

„Ein großer, historischer Moment für die Surui – den sie nach über 30 Jahren, seit der Besetzung ihres Landes durch Siedler, seit der Kontaktierung durch die weiße Gesellschaft heute erleben dürfen. Der Bau der Maloca ist der Anfang eines Traumes, den sie seit damals träumen, wieder aus ihren Wurzeln, aus ihrer eigenen Kraft leben zu können. Das Wichtigste der Maloca ist, dass sie aus zwei Kulturen zusammenkommt. Das wird sich positiv auswirken auf die Kinder und Jugend der Surui.  Wenn diese Schule erst einmal steht und lebt, dann werden auch die Beamten und maßgeblichen Leute dieses Landes stolz darauf sein“. (Maria do Carmo, Indianer-Forscherin und Leiterin der Pro-Indio-Organisation „PACA“ in Cacoal/ Rondonia)